netzwerk
recherche (nr)
Die
Journalistenorganisation "netzwerk
recherche" setzt sich für eine verbesserte Recherchekultur
in deutschen Redaktionen ein. Der gemeinnützige Verein
mit derzeit 300 Mitgliedern verfolgt sein Ziel „Recherche
fordern und fördern“ u.a. durch Fortbildungsveranstaltungen,
die Vergabe eines Recherchepreises sowie von Recherche-Stipendien
und durch ein Mentorenprogramm für junge Kolleginnen
und Kollegen. Erster Vorsitzender des netzwerks recherche
ist Dr. Thomas Leif (Chefreporter des SWR, Landessender Mainz).
Zweiter Vorsitzender ist Hans Leyendecker (Leitender Redakteur
der Süddeutschen Zeitung).
Seit
der Gründung im Jahr 2001 macht sich das netzwerk recherche
für ein Informationsfreiheitsgesetz (IFG) auf Bundesebene
stark, denn diese Gesetzesänderung würde die Recherchemöglichkeiten
deutlich verbessern: Während der journalistische Auskunftsanspruch
gegenüber Behörden schon mit einer mündlichen
Auskunft der Pressestelle ausgeschöpft ist, ermöglicht
ein IFG die Einsicht in Originalakten, zu denen Journalisten
sonst nur mit Hilfe von Informanten Zugang haben. Die Recherche
kann dank IFG also viel mehr in die Tiefe gehen. Außerdem
ist es möglich, dass Journalisten in heiklen Fällen,
bei denen sie Korruptionsfällen auf der Spur sind, das
„Jedermannsrecht“ IFG nutzen, d.h. den Antrag
als Privatperson stellen und damit ihre Rechercheabsicht nicht
sofort offenbaren. Die verdeckte Recherche wird also erleichtert.
Des weiteren kann mit IFG der Datenschutz nicht mehr so leicht
als Argument benutzt werden, um lästige Frager abzuwimmeln:
Wenn die Datenschutzrechte von Privatpersonen berührt
sind, schreibt das IFG eine Befragung dieser Personen vor,
ob sie mit einer Weitergabe einverstanden sind – und
womöglich haben die Betroffenen gegen die Recherche gar
nichts einzuwenden. Schließlich ist zu erwarten, dass
der Abschied vom „Amtsgeheimnis“ langfristig zu
einem Kulturwandel in der deutschen Verwaltung beiträgt,
hin zu einem generellen Klima der Offenheit. Die Blockadehaltung,
auf die Journalisten heute nicht selten treffen, wenn sie
Informationen von öffentlichen Stellen haben möchten,
kann nur überwunden werden, wenn die deutsche Verwaltung
auch rechtlich mit obrigkeitsstaatlichen Traditionen bricht
und ein bürgerorientiertes Service-Verständnis übernimmt.
Wenn das Prinzip der Transparenz sich durchgesetzt hat, wird
das der journalistischen Recherche auch in den Fällen
zugute kommen, in denen es gar nicht um formelle Rechtsansprüche
geht, sondern um eine unbürokratische Weitergabe von
Informationen.
Über
diese journalistischen Motive hinaus fordert das netzwerk
recherche ein IFG aber auch aus übergeordneten Gründen:
Der freie Informationszugang ist ein Bürgerrecht, das
zu einer modernen Demokratie gehört. Es ist deshalb dringend
geboten, dass Deutschland bei der Transparenz der Verwaltung
wieder Anschluss an die Standards gewinnt, die international
längst selbstverständlich sind. Der Abschied vom
„Amtsgeheimnis“ ist überfällig. Deshalb
hat das netzwerk recherche im April 2004 zusammen mit anderen
Organisationen einen eigenen
Gesetzentwurf für ein IFG vorgelegt.
Weiterführende
Links:
www.netzwerkrecherche.de
Kommentar
zum IFG aus netzwerk-Perspektive
Interview
zur Bedeutung des IFG
Internationaler
Vergleich: Bedeutung des Freedom of Information Act für
den US-Journalismus
|